Zug Leipzig-Berlin-Leipzig Donnerstag und Freitag. Zugegeben, ich war verzweifelt. Die Aufgabe bestand darin die zwei mal zwei Stunden Zugfahrt so wenig gelangweilt wie möglich zu überstehen und dabei ein nicht allzu schweres Buch im Gepäck zu haben, damit ich nicht ins Grübel verfalle und meine Tasche außerdem ohne Ächzen und Unter-der-Last-zusammenbrechen durch Berlin tragen konnte.
Nich ganz zufällig fiel meine Wahl also auf Sarah Kuttners Kolumnen-Sammlung, weil ich mich mit diesem Phänomen sowieso mal auseinandersetzen sollte. Jetzt bin ich nicht wirklich schlauer als vorher.
Alles, was ich diesem Buch entnehmen konnte war: “Blaablablaha blablablablah Abgrenzungsfetischisten blablablblablahaaaha sich ins Gesicht kippen blablablablabla laber laber laber bla genau meine Tasse blablablabla bla bla blahahahahahahaaaaaa usw. usf. etc. pp.”
Egal welche Frage, Frau Kuttner hat schon aus Prinzip keine eindeutige Meinung, findet nur, von ihr als solche bezeichnete, Abgrenzungsfetischisten, Westernhagen, Seal, den Echo und Anastacia scheiße, sich selbst aber extrem wichtig und in der Position zu allem ihre seltsamen Formulierungen zum Besten zu geben. War das jetzt ironisch?
Entweder ist dieser VIVA-Emporkömmling total genial und ich versteh es einfach nicht, weil sie einen Humor hat, den ich nicht teile, oder aber sie ist es eben nicht und wird nur von der Generation VIVA gut gefunden und angehimmelt, die sowieso keine Meinung hat und Abgrenzungsfetischisten scheiße findet, weil Sarah Kuttner die auch doof findet.
Ich kann mit Äußerungen á la “Ich bin ja prinzipiell gegen Sollen-Müssens” etc. einfach nichts anfangen. Warum finden Leute es toll, wenn jemand auf eine Frage wie “Wie ist das Wetter?” mit “Mein Fahrrad ist blau und deins?” antwortet.
Ist man nicht auch ein sogenannter viel geschimpfter Abgrenzungsfetischist, wenn man gegen Popmusikhirni-Events, Smalltalk, das Erwachsenwerden, Sport allgemein, Mainstream und so weiter ist? Oder was?
Ein editorisches Manko hat das Buch auch: Warum schreibt man nicht zu jeder Kolumne, wann genau sie veröffentlicht wurde? Schließlich haben die ja doch irgendwie so was wie eine Art Aktualitätsbezug oder Ähnliches und da hilft es einfach ungemein, wenn man weiß, wann diese zum Teil absolut nichtssagenden Phrasenaneinanderreihungen das Licht der Welt erblickten.
Vielleicht kapier ich das ja mal irgendwann. Vielleicht auch nie. Vielleicht erbarmt sich irgendwann irgendwer, der versteht, was genau diese Frau der Welt so Wichtiges mitzuteilen hat und erklärt mir das mal. Bis dahin bin ich aber der Meinung, dass nur Menschen, die keine Meinung haben (wollen) sie nach ihrer Meinung fragen sollten…
P.S.: Ich habe neulich einen Radiomitschnitt eines kleinen Interviews gehört bei dem sie auch vier ihrer Musik-Express Kolumnen zum Besten gab. Nun, da war sie wenig kratzbürstig und tatsächlich beantwortete sie Fragen ohne große Umschweife. Schade nur, dass sie trotzdem ständig über ihr Selbstverzapftes lachen musste. Das ist bei Comedians schon selten ein Qualitätssiegel, wenn sie schon über ihre eigenen Witze lachen, bevor sie zu Ende erzählt sind…